Gerade durch die Bankenkrise geriet sie ins Querfeuer der Kritik: die Bankberatung. Viele Kunden fühlten sich durch ihren Berater in Sachen Geldanlage nicht ausreichend aufgeklärt und bemängelten häufig die fehlenden Risikohinweise. Der Zustand scheint anzuhalten.
Laut Stiftung Warentest verstößt so manche Bankberatung nicht nur gegen das geltende Recht, es werde vor allem eher an den “guten Abschluss” gedacht als an eine qualifizierte Beratung. Als Konsequenz aus den schlechten Beurteilungen deutscher Banken fordern die Verbraucherschützer jetzt gesetzliche Schritte gegen diese Formen der Bankberatung. Laut Gerd Billen (Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen) würde sich ohne ein gesetzliches Eingreifen an der schlechten Beratungsqualität nichts ändern. Die Versprechen der Bankhäuser, daran “etwas ändern zu wollen”, bezeichnete er als “leere Worthülsen”. Billen fordert die Einführung eines einheitlichen Standard-Protokolls für alle Beratungsgespräche.
Getestet in Sachen Bankberatung wurden von Stiftung Warentest insgesamt 21 Banken in 146 Beratungsgesprächen. Die Note “mangelhaft” wurde dabei insgesamt sechs Mal vergeben, ein “Gut” kam gar nicht vor. Erschreckend ist daran, dass die Noten sich im Vergleich zu 2009 trotz der Einführung der neuen Regeln in der Bankberatung noch verschlechtert haben. Im Sommer vergangenen Jahres erhielten nur zwei Geldinstitute die Bewertung “mangelhaft”. Lediglich in der Abfrage von Kundendaten in Bezug auf die Vermögenssituation, das Einkommen, die Anlageziele und den Beruf habe sich die Beratung verbessert, wobei aber auch hier immer noch “große Lücken” bestünden.
Einen Grund für die nach wie vor schlechte Qualität der Bankberatung sieht Frank Niemeyer von der Hamburger Unternehmensberatung “Innovalue” in der Vertriebsstruktur der Banken. Statt eine langfristige Kundenbeziehung zu pflegen, orientiere man sich eher an kurzfristigen Zielen. Eine Lösung sieht er in einer Umschichtung der Aufgabenteilung in der Bankberatung. Die Protokolle kosten die Mitarbeiter viel Zeit. Durch eine entsprechende Entlastung könne dem Gespräch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Verbraucherschützer setzen jedoch gleichzeitig auch auf mehr Eigenverantwortung der Bankkunden: So sollten sich diese etwa nicht nur Fachbegriffe blenden lassen, sondern immer nachfragen.
